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Inhaltsverzeichnis

Vor- und Nachteile von Liegerädern

Liegeräder haben unumstritten viele, oft deutliche Vorteile gegenüber normalen Fahrrädern. Aber eben auch nicht nur Vorteile. Diese Seite soll aufzeigen, wo die Vor- und Nachteile sind und ggfs. auch wie schwer sie wiegen.

Vorteile

Aerodynamik, Kraftaufwand

  • Je nach Bauform kann ein Liegerad eine bessere Aerodynamik und damit einen geringeren Kraftaufwand als konventionelle Räder aufweisen. Damit erlaubt es bei gleicher Leistung eine höhere Geschwindigkeit zu fahren oder bei gleichem Tempo länger durchzuhalten. Durch die Vielzahl der Bauformen vom vergleichsweise hohen Tourer bis zur handtuchschmalen und tiefen Rennmaschine mit aerodynamisch ausgefeilter Verkleidung sind pauschale Aussagen oft nicht hilfreich.
  • Man kann durch die Abstützung an der Rückenlehne mehr Pedaldruck erzeugen als durch Körpergewicht plus am Lenker ziehen.
  • Aerodynamische Verkleidungen sind an Liegerädern sowohl von der Montage als auch von der Nutzung her deutlich praktikabler als an normalen Rädern und verbessern sowohl den Wetterschutz als auch die Aerodynamik deutlich.

Sicherheit, Unfälle

  • Man ist außer bei Tiefliegern mit den Autofahrern auf Augenhöhe, was die Aufnahme eines Blickkontakts erleichtern kann.
  • Liegeräder sind im Straßenverkehr recht selten und fallen schon deshalb gut auf. Allerdings scheint dieser Effekt in manchen Gegenden/Städten schon wieder nachzulassen.
  • Bei einem Auffahrunfall (z.B. auf ein stark bremsendes Fahrzeug) prallt man mit den Füßen und Pedalen statt mit dem Kopf voraus und dem Vorderrad auf.
  • Kippt das Rad bei starkem Bremsen vorne über fliegt man nicht mit dem Kopf voraus auf die Straße sondern landet (meist sogar recht sicher) stehend auf den Beinen, die Rückenlehne prallt ggfs. noch gegen den Rücken.
  • Allgemein ist die Fallhöhe etwas niedriger. Wie bei den beiden vorherigen Punkten ist eine pauschale Aussage zur Sicherheit nur sehr schwierig zu treffen. Die Folgen eines Sturzes oder Zusammenstoßes hängen immer eng mit den konkreten Umständen und Gegebenheiten zusammen.

Komfort und praktische Aspekte

  • Durch die Liege- bzw. Sitzposition ist die Wirbelsäule des Radfahrers nahezu überhaupt nicht belastet.
  • Durch die meist gepolsterten Sitzflächen kommt es nur selten vor, daß einem irgendwann der Hintern weh tut.
  • Die Arme, Handgelenke und -ballen haben keine Stützfunktion sind also weniger belastet.
  • Es findet sich fast immer Platz für 4 bis 6 Packtaschen statt 2 bis 4: Seitlich unter dem Sattel ist fast immer noch Platz.

Nachteile

Aerodynamik, Kraftaufwand

  • Es gibt keine (oder nur wenige?) Helme und Fahrradkleidung, die in Sachen Aerodynamik oder Körperhaltung auf die Bedürfnisse von Liegeradfahren abgestimmt sind.
  • Bei Liegerädern mit Hinterradantrieb (und ja, es gibt auch welche mit Vorderradantrieb) ist die Kette meist 2 bis 3 Mal so lang, wie bei einem normalen Fahrrad, entsprechend kann sich die Kette bei starkem Antritt auch 2 bis 3 Mal so weit wie bei einem normalen Fahrrad dehnen. Die für die Dehnung benötigte Kraft geht an Schub verloren.

Sicherheit, Unfälle

  • Durch die niedrige Höhe ragt man nicht wie andere Radfahrer über die meisten PKWs hinaus und wird dementsprechend unter Umständen nur von Fahrern direkt hinter (und ggfs. vor einem) gesehen, nicht aber von den darauffolgenden. Das von vorne oder hinten sichtbare Profil entspricht bei einem Kurzlieger mit mittlerer Sitzhöhe ungefähr dem eines Kinderrades. Allerdings sorgt die geringe Verbreitung von Liegerädern auch für ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit gegenüber dem fremden und exotischen Fahrzeug. Auch auf von Fußgängern stark frequentierten kombinierten Rad- und Fußgängerwegen fallen Liegeradfahrer deswegen auf. Besonders kritisch wird die Sichtbarkeit oft bei Tiefliegern mit Sitzhöhen unter 30cm gesehen. Die Fahrer und Fahrerinnen solcher Fahrräder bescheinigen ihnen aber meist eine gute Alltagstauglichkeit. Der Nutzen von auch bei Kinderrädern und Anhängern verbreiteten Flaggen ist jedoch umstritten.
  • Die StVZO (in Deutschland) schreibt nach vorne und hinten wirkende Pedalreflektoren vor. Diese können aber an Liegenrädern nicht vorschriftsmäßig montiert werden, da sie nach hinten vom Fahrer verdeckt werden. Dadurch wird man im nächtlichen Verkehr oft nicht sofort als Fahrradfahrer eingestuft, was manche Fahrer als Nachteil und andere als Vorteil empfinden. Siehe auch Tipps & Tricks: Liegeräder und Pedalreflektoren.
  • Durch die niedrige Sitzposition ist das Balancehalten gerade bei niedrigen Geschwindigkeiten schwieriger, was bei starkem Verkehr oder auf kombinierten Rad- und Fußgängerwegen sich oft nachteilig auswirkt. Dieser Punkt betrifft wie auch der nächste natürlich nur einspurige Liegeräder.
  • Aufgrund der häufigen Tretlagerüberhöhung ist Anfahren oft schwieriger (mit Pedalhaken erst recht), was bei Stop-and-Go-Verkehr die Autofahrer hinter einem selten erfreut.
  • Aufgrund der sehr komfortablen Sitzposition wurde schon von der Gefahr des Einschlafens während der Fahrt berichtet.
  • Man hat keinen so guten Gesamtüberblick über das eigene Rad während der Fahrt. ("Was klappert denn da am Hinterrrad?")
  • Radwege sind oft mit senkrechten Absperrpfosten mit geringem Abstand gegen die Benutzung mit Kraftfahrzeugen abgesperrt. Der Lenker des normalen Radfahrers ist entweder höher als die Pfosten oder läßt sich, da er sowieso im normalen Blickfeld des Radfahrers ist, gut durch die Pfosten hindurchbringen. Bei Liegerädern, inbesondere bei Untenlenkern, ist der Lenker nicht im Blickfeld. Der Liegeradfahrer muß im Vergleich dazu nicht nur auf den insbesondere bei Untenlenkern nicht im Blickfeld liegenden Lenker achten sondern auch darauf, daß er schon deutlich vor der Absperrung recht gerade darauf zufährt, da er aufgrund des langen vorderen Überhangs bei Kurzliegern bzw. des langen Radstandes bei Langliegern nicht mehr viel Spielraum zum Korrigieren der Richtung hat, sobald er zwischen den Pfosten angelangt ist.
  • Auch, daß die breiteste Stelle des Liegerads (der Lenker zwischen beiden Rädern) deutlich hinter der Vorderachse sitzt, macht die Durchfahrt schwieriger, da man für den gleichen Versatz des Lenkers nach Links oder Rechts mit dem Vorderrader eine weiter nach außen führende Linie fahren muß als mit einem normalen Rad, an dem der Lenker nur kurz hinter der Vorderachse sitzt.
  • Die geringe Sitzhöhe, insbesonders bei Tiefliegern, verkürzt die zur Verfügung stehende Reaktionszeit spürbar. Kommt man mit einem Tieflieger in eine fahrdynamisch extreme Situation, in der man sich mit einem höherem Rad (Normalrad) noch durch "Zaubern" vor einem Sturz bewahren kann, hat man auf dem Tieflieger kaum eine Chance. Man sitzt schneller auf der Straße, als man reagieren kann.

Komfort und praktische Aspekte

  • Aufgrund der Bauweise ist das Vorderrad und manchmal auch das Hinterrad (häufige Kombination: 20" vorne und 20" oder 26" hinten) meist etwas kleiner und damit anfälliger für Schlaglöcher und ähnliches.
  • Je nach Bauart des Sitzes und Material der Sitzauflage wird der Rücken wenig belüftet und schwitzt stark. Außerdem kommt es in seltenen Fällen zu durch den Schweiß und Reibung verstärkten, allergischen Reaktionen am Rücken.
  • Das Überfahren von Bordsteinen oder anderen Hindernissen ist deutlich schwieriger und materialbelastender als bei einem normalen Rad, da man weder Hinter noch Vorderrad durch einen kurzen Ruck anheben kann.
  • Bei ungefederten Liegerädern sind unbefestigte Wege deutlich unangenehmer als bei einem normalen ungefederten Rad, weil man nicht aus den Pedalen steigen und mit den Beinen federn kann, sondern jede Unebenheit direkt auf den Körper übertragen wird.
  • Durch die Kettenführung zwischen den Beinen haben die meisten Liegeräder ein Verschleißteil mehr als normale Fahrräder: Kettenrohre - Plastikrohre, die lose aufgehängt um die Kette herummontiert sind und auf dieser aufliegen und je nach Material mehr oder weniger schnell verschlissen sind.
  • Ebenfalls durch die Kettenführung bedingt haben nicht wenige Liegeräder, vor allem Kurzlieger rund um das Vorderrad oder unter dem Sattel Umlenkrollen, die einerseits die Reibungsverluste erhöhen als auch für eine gewisse Geräuschkulisse sorgen.
  • Es gibt bei Untenlenkern meist keinen Platz für einer Lenkertasche oder eine andere, während der Fahrt bzw. ohne aus dem Sitz aufzustehen leicht erreichbare Tasche. Auch bei Obenlenkung kann man aufgrund von Gelenken in der Lenkstange oft keine (schwerere) Lenkertasche montieren.
  • Bei Untenlenkern ist der Platz für sonstiges Zubehör (Klingel, Spiegel, etc.) sowie Schalt- und Bremshebel begrenzt. Tachometer werden bei Untenlenkern oft am oberen Ende des Lenkrohr oder nahe des Pedallagers montiert.
  • Das oft etwas höhere Gewicht und die größeren Dimensionen im Vergleich zu einem konventionellen Fahrrad erschweren den Transport mit der Bahn (Treppensteigen), dem Auto oder dem Flugzeug. Viele Liegeräder beanspruchen auch etwas mehr Platz zum Abstellen.

Sonstiges

  • Bundeswohlstandsbäuche treten auf Liegerädern besonders gut in Erscheinung. ;-)

Umstritten, ob wirklicher Vor- bzw. Nachteil

Bergauffahren

Es wird oft behauptet, Bergauffahren sei mit einem Liegerad schwieriger, weil man nicht aus dem Sattel steigen kann. Letzteres ist oft aber nur eine Art, die zusätzlich benötigte Kraft auf die Pedale zu bringen. Der Liegeradfahrer holt sich diesen Druck aus der Rückenlehne. Was allerdings das Bergauffahren schwieriger macht, ist die Balance bei den langsamen Geschwindigkeiten zu halten.

Auf nicht befestigten Wegen bergauffahren bereitete mir zumindest mit dem Liegerad (Radius Hornet I, vollgefederter Kurzlieger mit bei starkem Pedalantritt leicht einfedernder Hinterradschwinge) unerwarteterweise trotzdem größere Probleme. Mir ist leider nur nicht klar, warum. --XTaran 01:10, 8. Apr 2005 (CEST)
Ich weiß nicht, ob ich nicht schon zu sehr beeinflusst von der allgmeinen Meinung bin, aber ich bilde mir ein, das Bergauffahren sei schon anstrender... eben wegen der Tatsache, dass die ganze Kraft aus den Beinen kommen muss... bei den von XTaran erwähnten Wegen steig ich auch lieber ab, obwohl manchmal sicherlich machbar.... Nasenatmer 21:51, 18. Okt 2005 (CEST)

Für effizientes Bergauffahren mit einem Liegerad sind Systempedalen unabdingbar, gilt übrigens auch für Liegeradfahren in der Ebene. Im weiteren ist der Zug am Lenker nötig, dadurch entstehen die gleichen Kraftverhältnisse wie beim aus dem Sattel gehen auf dem Hochrad. Diese Fahrweise ist sehr Kraftaufwendig und muss lange antrainiert werden. Kein Hochradfahrer würde freiwillig aus dem Sattel gehen, wenn ihm nicht das Gesäss oder die Beinmuskeln schmerzten, der Energieverlust ist bei dieser Fahrweise zu hoch. Ich kann heute auf meinem Skorpion (Liegedreirad von HP-Velotechnik) mit Zug am Lenker und Druck und Zug auf die Pedalen kurze Steigungen ohne Schaltmanöver durchdrücken, was recht viel Spass bereitet. Ich würde aber diese Fahrweise nie auf langen Passfahrten anwenden, da würde ich mich mit dem Druck auf die Rückenlehne und Zug Druck auf die Pedalen begnügen um entspannt oben anzukommen. Noch etwas. Beim Bergfahren spielt der Rollwiderstand eine grössere Rolle als beim Ebenfahren. Bis 20km/h ist bekanntlich der Rollwiderstand grösser als der Luftwiderstand, das Liegerad verliert da seinen Vorteil gegenüber dem Hochrad. Der Druck des Rades auf die Strasse ist ein wichtiger Faktor für die Ermittlung des Rollwiderstandes und muss möglichst klein gehalten werden. Darum ist es wichtig alle Räder gleichmässig zu belasten. 50 50 ist ideal oder 33 33 33. Die Langlieger sind in der Liegerad Rennszene von den Tiefligern abgelöst worden und nicht nur wegen dem besseren Luftwiderstand. Viel Spass beim Trainieren.

Wendekreis

Ist der fahrbare Wendekreis eines Liegerades wirklich größer als der eines normalen Rades? Zumindest sind Kurzlieger aufgrund des vorderen Überhangs etwas unhandlicher in engen Kurven.

Also der 2. Satz macht keinen Sinn... ich besitze ein Kurzliegerad und habe ganz eindeutig das Gefühl, einen kleineren Wendekreis zu haben als ein 0815-Erwachsenenrad... was sich auch durch den kürzeren Radstand "beweisen" lässt... wie das in den engen Kurven aussehen soll, dass es mal unhandlich wird, hab ich auf meinen bisherigen 2600 (habs ja auch erst seit einem Jahr) noch nicht erfahren dürfen... :) Nasenatmer 21:51, 18. Okt 2005 (CEST)
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